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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/wua.2023.1.21-26
Bartłomiej Warowny
Und dennoch …
Plädoyer für Zeitgenossenschaft und Christusförmigkeit
Die politische Wende 1989, eine unvollständige Überprüfung der Geistlichen, die mit dem kommunistischen Regime zusammengearbeitet haben, die Neuordnung der polnischen Bistümer, die Unterzeichnung des Konkordats, das Ende des Pontifikats Johannes Pauls II., der Missbrauchsskandal und eine ungenügende, schwerfällige Reaktion der Kirche darauf, ein fragwürdiges (hinsichtlich der Funktionsfähigkeit) Spendensystem, durch welches das kirchliche Leben finanziert wird, eine sinkende Zahl der praktizierenden Katholiken und Priesterkandidaten, erste Zusammenlegungen von Priesterseminaren, nicht zuletzt die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine, das – in aller Kürze – sind die relevantesten Faktoren und Tatsachen, welche die jetzige Situation der Kirche in Polen innerhalb der letzten 33 Jahren bestimmten, bzw. sie beschreiben und darstellen.

Im Hinblick auf die Jahre 1989–2022 kommen einige Fragen auf: Wie hat die Kirche diese Zeit genutzt? Was braucht sie, um ihre Rolle wirksamer, effektiver zu erfüllen? Es geht selbstverständlich nicht um die menschliche Ursächlichkeit, es geht um die Früchte, die der Herr von uns erwarten darf (Joh 15,1–8). Selbstverständlichkeiten wie die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und eine ernste Debatte um die Zukunft der Finanzierung der Kirche in Polen oder auch eine bloße Darstellung des Tatbestands sind keine nennenswerten Themen. In diesem kleinen Beitrag möchte ich dagegen zwei Fragen aufwerfen, die in der Öffentlichkeit eigentlich nicht diskutiert werden.

Kampf um die Freiheit – was folgt?


Erstens: Die Geschichte Polens der letzten 250 Jahre (1772–2022) ist bestimmt durch die sog. Teilungen der Ersten Republik, was letztlich mit deren Auflösung durch Preußen, Russland und Österreich endete, durch dramatische Kämpfe um das Überleben, um die Wiedergewinnung der Souveränität und die Bewahrung der eigenen Identität, die im ganzen 19. Jahrhundert stattgefunden haben, durch den Ersten Weltkrieg, durch sich daran anschließende fast 20 Jahre Frieden (den polnisch-sowjetischen Krieg beendete erst der Friedensvertrag von Riga 1921), durch sechs wirklich tragische Jahre des Zweiten Weltkriegs und durch wiederum 45 Jahre der kommunistischen Herrschaft. Die ganze Zeit über hat sich die katholische Kirche in Polen stark für die Freiheit, die Beachtung der menschlichen Würde der Bevölkerung und gegen die Aktionen der benachbarten Mächte eingesetzt. Unzählige Kleriker, Ordensmänner und Ordensfrauen haben den größten Preis für die Hilfe, die sie geleistet haben, bezahlt.

Nicht ohne Bedeutung waren die konfessionellen Unterschiede, denn sehr bewusst und entschieden gegen den katholischen Glauben als einem gewissen Träger der Identität sind die evangelischen Preußen und orthodoxen Russen aufgetreten (zu erwähnen sind u. a. der harsche Kulturkampf Bismarcks und die erbarmungslose Russifzierung). Den Gipfelpunkt der Aggression gegenüber der Kirche in Polen und ihren Geistlichen zeigt sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, in denen diese Gruppe, eine gut ausgebildete und einflussreiche Schicht der Gesellschaft, zur Vernichtung bestimmt wurde (u. a. im Rahmen der sog. Intelligenzaktion). Das NS-Regime wusste sehr gut, dass man, um die Seele der Polen zu brechen, rücksichtslos gegen die Kirche vorgehen musste (rund 3.000 katholische Priester sind im Gefolge der NS-Verfolgung umgebracht worden).

Volle Hingabe sowie seelischer und materieller Beistand, welche die Kirche leistete, haben beträchtlich zum Überleben vieler Menschen beigetragen. „Wenn alle Lichter für Polen erloschen, dann waren immer noch die Heilige von Tschenstochau und die Kirche da“1, schrieb Hans Frank, Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete. Die schon im Krieg von Seiten der Sowjetunion andauernde Verfolgung hat zur Zeit der Volksrepublik ihre Fortsetzung gefunden. Die Geistlichen haben gemeinsam mit den Menschen gelitten und sie ununterbrochen unterstützt. Die Kirchen schienen Oasen der Freiheit zu sein, wo Gläubige wie auch Ungläubige Schutz finden und jegliche Hilfe bekommen konnten. Die Kirche übernahm die Rolle einer Anwältin der Gesellschaft gegenüber jeder feindlichen Macht.

Engagement für die Gesellschaft versus genuine Sendung

All dies, d. h. die dramatischen Ereignisse der letzten 250 Jahre und die Reaktion der Kirche auf sie, haben einen schwer messbaren Einfluss auf alle Bereiche der kirchlichen Tätigkeit ausgeübt: Verkündigung, Katechese, Errichtung neuer Kirchengebäude. Besonders interessant ist, wie tief die Vergangenheit die Mentalität vieler Generationen bis heute beeinflusst und geformt hat, was man bei der Analyse der vornehmlich auf die Passion orientierten Frömmigkeit und Spiritualität sowohl der Gläubigen als auch der Geistlichen feststellen kann. Nach Jahrzehnten voller Bedrängnisse, die eigentlich eine ständige Notlage waren, sollte die politische Wende eine reife Diskussion angesichts einer absolut neuen Wirklichkeit nach sich ziehen: Wie können und sollen wir hier und jetzt die Wahrheit Christi verkündigen? Und selbst wenn die ersten Jahre der Souveränität wenig Sicherheit und Stabilität mit sich brachten, was zweifellos nicht hilfreich war, sollte letztlich der Abschluss des Konkordats im April 1997 ein sehr klares Signal zur Eröffnung einer gründlichen, systematischen Überlegung und Debatte über das Neuorganisierung des kirchlichen Lebens sein. Das ist nie geschehen. Es sollte um eine ernste, in gewissen Aspekten vermutlich auch schmerzhafte Aufarbeitung der Vergangenheit gehen, was der Kirche ermöglichen würde, sich in der neuen Wirklichkeit als aktive, zur Initiative fähige Akteurin einzubringen. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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