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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/wua.2020.1.7-10
Walter Senner
Heinrich Seuse als Verteidiger Meister Eckharts
Meister Eckhart war für Heinrich Seuse weit mehr als ein akademischer Lehrer. Als kleiner Junge von seinen Eltern mit einer Geldspende ins Kloster gegeben, fürchtete er, ewig verdammt zu sein. Erst Eckhart konnte ihn von dieser Anfechtung befreien. Seuse verdankt ihm auch eine Lebensregel, die er in die Gestalt einer Vision fasst: „erschien ihm auch der selige Meister Eckhart … der Meister ließ ihn wissen, er lebe in überströmender Herrlichkeit, in der seine Seele ganz in Gott aufgegangen sei. … Er soll sich selbst … in tiefer Gelassenheit entsinken und alle Dinge als von Gott … kommend annehmen und sich gegen alle wölfischen Menschen in Geduld fassen“.

Wir haben die meisten deutschen Schriften Seuses in der von ihm selbst in den 1360er Jahren redigierten ‚Werkausgabe letzter Hand‘, dem Exemplar. Das einzige lateinische Werk, das umfangreiche Horologium Sapientiae, ist eine erweiterte Neuredaktion des BdeW von 1333–1334. Eine allmähliche Entwicklung, die offenbar zur Zeit der Prozesse Meister Eckharts noch nicht begonnen hatte, wird dort fassbar. Seuse beschreibt seinen visionären Durchbruch zur Passionsfrömmigkeit. Er verwendet häufig die Dialogform, wobei ein ‚Jünger‘ oder ‚Diener Gottes‘ bzw. ‚der ewigen Weisheit‘ Fragen und Einwände vorbringt und die ‚ewige Weisheit‘ antwortet. Der autoreferentielle Gebrauch dieser Bezeichnungen verweist auf ein Selbstverständnis als von Gottes ewiger Weisheit Lernender und sich in ihren Dienst Stellender – für einen Predigerbruder an sich selbstverständlich, für Heinrich aber in bewusster Abgrenzung von anderen, die nach seinem Verständnis nicht geistlich lernen und nicht wirklich Gott dienen.

Das gilt in besonderer Weise für die Vita. Seuse berichtet, seine ‚geistliche Tochter‘, Elsbeth Stagel im Kloster Töss, habe ihn ausgefragt, „wie er sein geistliches Leben begonnen und wie er darin fortgeschritten sei, auch dies und das von seinen Übungen … und von den Leiden, die er erduldet“ und heimlich seine Aussagen niedergeschrieben. Als er das erfuhr, habe er die Herausgabe verlangt und den ersten Teil verbrannt, sei aber durch eine ‚himmlische Botschaft‘ von der Vernichtung des Rests abgehalten worden, dem er später nach dem Tod von Elsbeth „etwas gûter lere“ beigefügt habe. Der durch viele Krisen gegangene Ordensmann blickt auf sein Leben zurück – nicht ohne ein geistliches Erzählinteresse: „Es gibt nämlich … Menschen, die in Denken und Wollen das Allernächste und –beste zu erreichen bemüht sind, während es ihnen aber an Unterscheidungsfähigkeit gebricht; hierüber gibt dies Buch viele Unterscheidungsmerkmale wahren und falschen Vernunftgebrauches und lehrt, wie man durch rechte Ordnung zu der lauteren Wahrheit eines seligen, vollkommenen Lebens kommen kann“. Nur an fünf Stellen wird Meister Eckhart in der Vita erwähnt. Er erscheint dabei als der selige (Kap. 6) bzw. heilige (Kap. 21) Meister, dessen ‚liebliche Lehre‘ (Kap. 34/33) nicht leicht verständlich ist und rechter Unterscheidung bedarf.

Buechlin/Bůch der Wahrheit


Nach dem Tod Meister Eckharts (28. Januar 1328) verfaßt, wird es als das früheste erhaltene Werk Seuses betrachtet. Sturlese wies wörtliche Zitate der päpstlichen Zensurbulle In agro Dominico nach. Wir haben nur die Überlieferungsgestalt des Exemplar, d. h. gegen Mitte der sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts, lange nach der ursprünglichen Niederschrift.

Seuse musste sich 1330 auf dem Provinzkapitel der Teutonia gegen den Vorwurf rechtfertigen, „er schreibe Bücher, die falsche Lehre enthielten; durch sie werde das ganze Land mit ketzerischem Schmutz verunreinigt“. Der Verlust des Lektorenamtes bald danach ist aber eher im Rahmen der von dem päpstlichen Vicarius provinciae Bernard Carrerie durchgeführten ‚Säuberung‘ zu sehen. Diese war allerdings nicht allein – und nicht in erster Linie – gegen die Anhänger Meister Eckharts gerichtet.

Das BdW umfaßt sieben, nach Sturlese und Blumrich acht relativ kurze Kapitel. Das Grundanliegen ist: „‚Wie ein gelassener Mensch mit der Einheit beginnt und aufhört‘ <BdW c. 1: B 328,10>. … die zentrale Linie, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Werk Seuses zieht: dem Menschen die Einheit mit Gott als sein letztes Ziel und Glück aufzuzeigen“.

Die Quellenverweise Bihlmeyers aufnehmend konnte Fiorella Retucci zeigen, dass Seuse im 4. (5.) Kapitel Eckhart mit ausführlichen Entlehnungen aus Thomas von Aquins Summa theologiae IIIa verteidigt. Im Kern geht es dabei um die ‚Gottesgeburt in der Seele‘, die Einheit zwischen Gott und Mensch, zu deren Erklärung sich Heinrich des von Thomas von Aquin aufgenommenen Ausdrucks ‚sekundär‘ (in atomo) – gegenüber der Wesenseinheit der drei göttlichen Personen – bedient. Bereits Sturlese und Retucci haben aufgezeigt, wie in dem Dialog zwischen dem ‚Jünger‘ und dem ‚Wilden‘ im 6. (7.) Kapitel dem ‚Wilden‘ wörtliche Zitate aus der Zensurbulle In agro Dominico in den Mund gelegt und vom ‚Jünger‘ wiederlegt werden, meist mit dem Argument, hier sei gute Unterscheidung zwischen einer korrekten und einer falschen Auslegung nötig. Die Auffassungen des ‚Wilden‘ laufen auf das hinaus, was wir von den Lehren des ‚Freien Geistes‘ wissen, mit denen sich Eckhart auseinandergesetzt hatte. Dies erklärt auch die häufige Betonung des „richtigen Unterscheidens“, besonders als Verteidigung Meister Eckharts, der sich und den Heinrich als oft falsch verstanden ansah. [...]


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