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Stichwort
Robert Mehlhart
Gregorianischer Choral
Natürlich wurde in Europa auch schon vor der Komposition des klassisch gewordenen „gregorianischen“ Repertoires musiziert. Der Gregorianische Choral ist dennoch die älteste schriftlich erhaltene Musik des christlichen Abendlandes. Dieser Umstand macht die Erforschung seiner Ursprünge zu einem schwierigen Unterfangen, weshalb sich darum viele kontroverse Hypothesen ranken.1 Die Bezeichnung „Gregorianischer Choral“ insinuiert Papst Gregor den Großen († 604) als „Komponisten“ der Melodien. Das drückt sich nicht zuletzt auch in der christlichen Ikonographie aus. Hier wird Gregor gerne mit einer Taube dargestellt, die ihm Melodien ins Ohr diktiert. Er selbst (oder ein Schreiber) notiert diese getreu auf bereitliegendes Pergament.
Heute wird angenommen, dass sich der Gregorianische Choral aus vielen Quellen speist. Es handelt es sich offensichtlich um ein Mischrepertoire, das um 750 im Kontext der karolingischen „renovatio“ und im Umfeld des Hofes Karls des Großen entstand. Die bis dahin verbreiteten lokalen europäischen Einzeltraditionen haben bei der Abfassung der heute bekannten Melodien als Vorlagen gedient. Im Zuge der Übernahme der altrömischen Gesänge in das Frankenreich unter dem Vater Karls des Großen, Pippin III., geschah de facto eine Vermischung mehrerer Repertoires. Die Entstehung des „Gregorianischen Chorals“ (als erstem universellen Musikdialekt Europas) ging also Hand in Hand mit dem Streben nach einer kulturellen europäischen Einheit, die viele Facetten der karolingischen Kultur prägte.

Der Gregorianische Choral – ein Phänomen

Gregorianik ist ausnahmslos liturgische Musik. Es wurden sowohl die Texte des Stundengebetes (zusammengefasst im Antiphonale) als auch die der Messe (zusammengefasst im Graduale) vertont. In letzterem Fall ist zu unterscheiden zwischen dem Ordinarium Missae und dem Proprium Missae. Ersteres bezeichnet die textlich stets gleichbleibenden Teile der Messe (also je nach Festgrad Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei). Die Teile des Proprium Missae (Introitus, Graduale, Alleluia bzw. Tractus, Offertorium und Communio) gehen auf den mystagogischen Inhalt der jeweiligen Messe ein.

Die Nomenklatur zur stilistischen Einordnung des jeweiligen Werkes ist ein Produkt der Neuzeit. Dennoch kann man im Großen und Ganzen zwischen eher einfachen (syllabisch oder psalmodischen), zunehmend komplexeren (oligotonischen) und komplexen (melismatischen) Stücken unterscheiden.2 Der Choral ist grundsätzlich einstimmige Vokalmusik mit einem freien rhythmischen (also nicht metrisch gebundenen) Fluss. Ihre Tonalität lässt sich mit den acht Modi der klassischen Kirchentonarten erfassen. Es gibt Stücke, die von einer Schola (dem Chor), von einem Solisten (dem Cantor) oder abwechselnd gesungen wurden. Den meisten Stücken liegen Texte der Heiligen Schrift, insbesondere der Psalmen zugrunde.
Wie die neuen Gesänge nun in ganz Europa verbreitet wurden, ist unklar.3 Sie entstanden jedenfalls mitten in einer blühenden Schrift- und Buchkultur und fanden schnell Verbreitung im ganzen Karolingerreich. Ihr genuiner Locus ist die Liturgie der Kathedralen und Klöster Europas.

Historischer Überblick

Das Repertoire veränderte sich im Folgenden analog zu den Reformen dieser Institutionen. Die musikalische Kohärenz der jeweiligen Neuinterpretation erschließt sich uns heute nicht immer. Einen großen Einschnitt brachte die Reform des Benediktinerordens durch Bernhard von Clairveaux. Um das Streben nach Schlichtheit auch in musikalischer Hinsicht zu verwirklichen, wurden die Stücke sowohl im Ambitus als auch in ihrer Länge beschnitten. Dies geschah allerdings ohne Rücksicht auf ihre modale Struktur. Der dominikanische Choral hat seine Wurzeln in diesem Reformrepertoire der Zisterzienser. [...]


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