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Leseprobe 1
Leo Oosterveen
Geborstene Säule
Einige Entwicklungen in Gesellschaft, Kirche und religiösem Leben der Niederlande in den letzten vier Jahrzehnten

Woher kommen wir? Die „versäulte“ Gesellschaft bis zu den 1960er Jahren

Während der letzten vierzig oder fünfzig Jahre hat sich die holländische Gesellschaft grundlegend und dramatisch gewandelt. Vor den 1960er Jahren konnte sie als „versäulte Gesellschaft“ (pillarized society) gelten. Versäulung heißt, dass eine Gesellschaft aufgesplittert und entlang den Grenzen von religiösen Konfessionen und Denominationen sowie politischen Überzeugungen organisiert ist. Die wichtigsten Säulen waren die der Katholiken, der reformierten Protestanten, der Sozialisten und der Liberalen. Jede einzelne Säule hatte ihre eigene Bauernkooperative, eigene Universität und allerlei eigene Zwischenorganisationen. Nicht nur jede Kirche besaß ihre klare und streng definierte Identität in Absetzung von den anderen Kirchen, auch das Netzwerk der versäulten Organisationen und Verbände wies diesen Charakter auf.

Die Säulen entstanden während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie waren Staaten im Staate. Die Säulenorganisationen zeichneten sich durch moderne Strukturen aus, die hoch effizient und effektiv arbeiteten und einen Großteil der Gesellschaft erfassten. Gleichzeitig suchten die Säulen ihre Anhänger und Helfer vor der Moderne zu schützen, insbesondere vor dem Individualismus und kulturellen Relativismus des modernen Staates. Die Säulen waren, mit anderen Worten, moderne, einheitlich organisierte, ja unformierte Bollwerke gegen die Moderne!

Die Säulennetzwerke beherrschten und kontrollierten weite Teile der Politik und des öffentlichen Lebens, insbesondere das Gesundheitswesen, die Erziehung und die Medien. Man denke nur an die Gewerkschaften, die politischen Parteien, die Jugendorganisationen, die Frauen- und Bauernverbände usw. Man kann von einem versäulten Lebensstil sprechen, der das Privatleben von Millionen Menschen beeinflusst hat. Im Zentrum der katholischen und protestantischen Säulen standen die Kirchen, die die religiöse, ethische und ideologische Grundlage für ihre jeweilige Säule lieferten und das soziale Bindemittel dafür bereitstellten.

Hinsichtlich der katholischen Säule ist bemerkenswert, dass sie für die Katholiken eine emanzipatorische Rolle spielte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Katholiken als Bürger zweiter Klasse angesehen. Sie waren sozial benachteiligt und genossen bis zur Verfassung von 1848 keine vollen Bürgerrechte. Die Säule ermöglichte es nun den Katholiken, ihre eigenen Krankenhäuser, Universitäten, politischen Organisationen, Rundfunkstationen und Zeitungen zu unterhalten und sie voll Stolz vorzuzeigen.

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