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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/wua.2020.1.29-32
Peter Birkhofer
„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“
Eine Predigt
Als Heinrich Seuse geboren wurde, war seine Heimatdiözese mit ihrem Bischof Heinrich von Klingenberg ein wohlgeordnetes und klug verwaltetes Fürstentum. Man pflegte am Bischofshof die schönen Künste und förderte Gelehrsamkeit und Minnesang. Fromme Interessen waren hingegen dort nicht unbedingt vertreten. Mit 13 Jahren tritt Seuse ins Kloster der Dominikaner in Konstanz ein. Diesen Orden gab es seit 70 Jahren in der Bischofsstadt am Bodensee. Armut und Eifer der Gründungszeit aber waren schon eine ganze Weile einer gewissen Behaglichkeit und Lässigkeit im Klosterleben gewichen. Auch die Brüder liebten es, nach Studium und Gebet noch auf ein Viertele in die Stadt zu gehen oder einfach mit Freunden zusammenzusitzen.

Suche nach Weisheit

Seuse hingegen spürt, nachdem er dies fünf Jahre mitgemacht hat, dass dies nicht alles sein kann. Er verlangt nach einer Weisheit, die unvergänglich ist; er sehnt sich nach einer vollkommenen Klugheit, die ihn in die Nähe Gottes bringt (vgl. Weish 6,12–19). Und so entschließt er sich für einen Weg der Umkehr. Ein Jugendfreund ermahnt ihn dabei, auf dem Boden zu bleiben. Und es klingt beinahe wie gute Bodenseephilosophie, wenn er sagt: „Es mag wohl gut sein, dich um Besserung zu bemühen, aber übertreib es nicht: Betreib es maßvoll, damit du es vollbringen kannst: Iss und trink kräftig, tu dir gütlich und hüte dich dabei vor Sünden! Sei in dir selbst so gut, wie du willst, aber nach außen so maßvoll, dass den Leuten nicht vor dir graut. Oder, wie die Leute sagen: ‚Herz gut, alles gut!‘ Du kannst mit den anderen wohl fröhlich und doch ein guter Mensch sein; andere wollen auch in den Himmel und führen kein so strenges Leben.“

Doch Seuse zieht sich zurück. Von nun an will er fasten, beten und in wahrer Armut Christus nachfolgen. Ein Ordensbruder von Seuse, der große Theologe Thomas von Aquin, hat einmal gesagt: crux est vera ars vivendi. Und so beginnt für Heinrich Seuse jetzt die Zeit, in der er seinen Lebensweg als bewusste Kreuzesnachfolge Christi erkennt. In inniger Liebe zu dem Geheimnis, dass Gott selbst in Jesus Christus Mensch wurde, in der Erkenntnis, dass in der Nachfolge Christi der Weg hin zur göttlichen Weisheit und Wahrheit geebnet ist, versucht er den Kreuzweg Christi – im wahrsten Sinne des Wortes – hautnah nachzuleben. Er zieht sich zurück, geht auf Distanz zur Welt, nicht um über sie oder ihre Schlechtigkeit zu schimpfen, sondern um nicht von ihr aufgefressen, vereinnahmt zu werden.

Mystik der offenen Augen

Mit 40 Jahren erkennt er, dass seine überstrengen Bußübungen ein Ende haben müssen, dass sein Weg der Nachfolge anders aussehen wird. Der Mystiker kann und darf die Augen nicht vor der Welt verschließen und deshalb beginnt für Seuse nun ein neuer Weg der Gottesverkündigung auf den Straßen und Plätzen.

In seinen mystischen Erfahrungen hat er erlebt, wie Gott das Fundament seines Lebens ist, wie in ihm das Frohmachende wurzelt. Er hat hier die Würze des Glaubens erfahren, die seinem Leben Geschmack gab. Er hat erlebt, dass der Glaube, wie Kochsalz in der Chemie, verwandelnd und dynamisierend bei aller lähmenden Angst ums Dasein wirkt. Er spürte, wie dieses Salz des Glaubens gleichsam vor dem Verfaulen in Trägheit und Lustlosigkeit bewahrt und nach vorne treibt. Dies will er weitererzählen. Er will eine allgemein verständliche Lehre des Glaubens dem Volk nahebringen. Er will zeigen, wie man in der Betrachtung des leidenden Herrn lernt, verinnerlicht zu leben und selig zu sterben. Und dann will er vor allem die Gottesliebe, die, wie er sagt, in jüngster Zeit in vielen Herzen zu erlöschen droht, wieder entzünden. Und dazu hatte er ja allen Grund, wenn man an die verworrenen Bischofsbesetzungen in Konstanz, die Interdikte und Verbannungen zur Zeit Seuses denkt.

Daneben redet Seuse aber auch von Theologen, die wenig rühmlich waren, da sie mit Abwertungen, Repliken und erstaunlichen Meinungsneuigkeiten das Publikum zu verblüffen verstanden. Dem Mystiker dagegen geht es nicht um vorschnelle Antworten, er will genau hinsehen, er will die Verwirrung nicht ausbauen, er will Licht in das Leben der Menschen bringen. Er will mit seiner Vernunft klar unterscheiden und sich dabei in seinem Denken von der Liebe Gottes leiten lassen. Er versteht sich als „Schüler, der das Wasser der heilbringenden Weisheit aus des Meisters, d. h. Christi, Munde trinkt und davon so berauscht ist, dass er sich selbst und alle Welt vergisst, mit Herz und Sinn, die Augen und das Antlitz nach oben gerichtet hat und gleichsam in einen Abgrund göttlicher Schau und Verzückung eingetaucht und in ihm verschlungen, entrückt wird. Denn solche Schüler strahlen auf die Erde wie der Sternenhimmel und, wie eine brennende Fackel nach oben strebend, entzücken sie sich und entflammen die Mitmenschen in Gottes Liebe.“ [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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