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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/wua.2016.1.65-67
Bruno Cadoré OP
Predigt der Gnade im Dialog
Da ich kein Historiker bin und noch viel weniger Dogmenhistoriker, überlasse ich es den Fachleuten zu erforschen, ob und wie sich im Laufe der Geschichte Charakteristika einer dominikanischen Theologie entwickelt haben oder nicht. Ausgehend von dem, was ich in Gesprächen mit Schwestern und Brüdern auf meinen Reisen im Orden gehört habe, ist es vielmehr meine Absicht, drei Elemente zu benennen, die möglicherweise eine Gemeinsamkeit darstellen, bei aller Unterschiedlichkeit im Orden.

1) Dominikanische Theologie ist eine Theologie der Predigt: Vielen wird diese erste Eigenschaft offensichtlich erscheinen, wird der Orden doch häufig als ein Orden der Prediger und der Theologen dargestellt. Oder, um es deutlicher auszudrücken, als ein Orden der „Predigertheologen“. Diese Eigenschaft scheint mir wesentlich zu sein und zwar in dreifacher Hinsicht.

Es handelt sich um eine Theologie der Predigt Jesu Christi. Es geht um das Geheimnis der Ankunft des Sohnes, der den Menschen nahe kommt und die Freundschaft und Vertrautheit mit seinen Gesprächspartnern sucht. Dies gehört zu den grundsätzlichsten Elementen der Theologie im Orden: der Versuch, so gut wie möglich das Geheimnis dieser „Annäherung Gottes“ verständlich zu machen; einen Gott, der sich in dem Maß offenbart, in dem man die theologische Reflexion im geduldigen Bemühen um eine Deutung der Heiligen Schrift in der Meditation verwurzelt sein lässt. Eine in der Schrift gründende Theologie, das war die Theologie des Thomas von Aquin.

Sie ist eine von der Predigt ausgehende Theologie und, in diesem Sinne, eine pastorale Theologie: nicht um Rechenschaft zu geben über die theologischen Implikationen der Pastoral, sondern vielmehr über den Grund, warum es überhaupt Pastoral gibt: das Kommen des Sohnes Gottes zu den Menschen, damit diese das Leben in Fülle haben. Ein solches theologisches Bemühen wird angeregt und herausgefordert durch die pastoralen Erfahrungen selbst, wie es einige große Vorbilder im Orden zeigen: Montesino und Vitoria, als Widerstand geboten war angesichts einer kolonialen Expansion, die die gleiche Würde aller Menschen missachtete; die

Gnade, die bei der Ausübung des Dienstes der Versöhnung kontemplativ geschaut wird; frère Lebret, der aufzuzeigen versucht hat, wie eng die Frage nach Entwicklungsgerechtigkeit unter den Völkern mit dem Mysterium universalen Heils verknüpft ist; Gustavo Gutiérrez in seiner Ausarbeitung der Grundlagen einer Theologie der Befreiung … Die Predigt führt zur Theologie und fordert sie heraus.

Sie ist schließlich eine Theologie der Predigt an sich. Sie versucht, ausgehend vom Predigtgestus, zu zeigen, inwiefern Kirche durch den Geist des auferstandenen Christus und durch die Realisierung seiner evangelisierenden Mission konstituiert wird.

2) Dominikanische Theologie ist eine Theologie der Gnade: Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat man oft die Notwendigkeit betont, die „Zeichen der Zeit“ zu lesen und zu unterscheiden, d. h. die Wirkspuren des Heiligen Geistes ebenso inmitten der Realitäten dieser Welt wie in den Herzen eines jeden Menschen zu entdecken. Das war sicher die Herzmitte der Theologie von Marie-Dominique Chenu, der den „menschlichen Teig“ untersuchte, der völlig vom Wirken der Gnade der Barmherzigkeit Gottes durchdrungen ist.

Aus dieser Perspektive versucht eine Theologie der Gnade, die stetige Bewegung der Barmherzigkeit Gottes zu verstehen: einen Gott, der bis in seine Eingeweide hinein erschüttert ist und mitleidet, und der nicht aufhört, zu seinem Volk zu kommen, um ihm auf diese Weise stets neu Geburt zu schenken. Sie ist daher eine Theologie, die, ausgehend von der Betrachtung der freien Sehnsucht Gottes, seine Schöpfung in all ihren Potentialitäten zu verwirklichen, sich dafür einsetzt, sowohl die innere Erneuerung eines jeden Seins als auch die Erneuerung der menschlichen Gesellschaften zu verstehen. Einzelperson und Völker: das Zusammentreffen dieser beiden Dignitäten hat die Ausarbeitung einer Theologie im Orden geprägt.

3) Dominikanische Theologie ist eine Theologie im Dialog: Man wird niemals genug betonen können, auf welcher zweifachen Entscheidung des Dominikus die Gründung seines Ordens beruht: erstens die Brüder zu zweit auszusenden, um das Wort zu predigen; und zweitens die Entscheidung des Dominikus, sie an die Universitäten zu schicken – und mit ihnen zu gehen –, um von den großen Meistern der damaligen Zeit zu lernen. Diese Intuition war entscheidend für Thomas von Aquin, der seine theologische Reflexion im Dialog mit den ihm zugänglichen Philosophien entwickelte: Aristoteles, Averroes, Maimonides. Die Philosophie erweist sich daran nicht einfach nur als „Dienerin“ der Theologie in dem Sinne, dass diese sich ihrer bedienen könnte. Vielmehr stimuliert die Philosophie die kritische Intelligibilität der Wirklichkeit und zeigt so dem Theologen die Fragen auf, die dieser im Kontext der Ideengeschichte angehen muss. Die Philosophie gibt auf diese Weise dem Theologen Verstehenselemente an die Hand, um in eben jenem ideengeschichtlichen Kontext Rechenschaft vom Mysterium des Heils geben zu können. [...]


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