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Leseprobe 2
Ruth Stengel
Gemeinschaft als Ideal oder Realität?
„Nicht ohne“ – Überlegungen mit Michel de Certeau SJ
Bruch, Mangel, Differenz und Abwesenheit zählen zu Lieblingsmetaphern des Franzosen Michel de Certeau (1925–1985). Von jenen Phänomenen her bestimmte er das Wesen christlicher Existenz und erkannte in Fragmenten und Nicht-Entsprechungen die Ahnung gründender Spuren.

Certeau war ein Grenzgänger, beheimatet in verschiedenen wissenschaftlichen und alltäglichen Welten. Er war Historiker, nicht ohne Theologe zu sein. Er war Kulturanthropologe, nicht ohne Sprachwissenschaftler zu sein. Vor und in allem war er Jesuit, verwurzelt in einer ihm von seinen Forschungen her bestens vertrauten Tradition: Nicht ohne, denn er setzte sich als Analytiker der Vergangenheit ebenso existentiell und radikal den Phänomenen seiner Zeit aus.

Auf die Realität von Ordensleben hin gelesen geben die von Certeau positiv besetzten Begriffe wie Bruch oder Mangel eine prägnante Einleitung für den Versuch, Realitäten postmodernen Gemeinschaftslebens zu benennen. Vor allem der Blick auf die sogenannten apostolisch tätigen Frauengemeinschaften in Deutschland bzw. Westeuropa lässt die Einschätzung einer massiven Krise zu.

Liest sich die brüchige Ausgangslage als Vorbote des Untergangs oder als Einladung zum realen Leben in Gemeinschaft? In diesem Beitrag werde ich den gründenden Spuren Certeaus folgen, durchaus in gewisser „Distanznahme gegenüber den bestehenden Institutionen.“ Als junge Ordensfrau zähle ich dabei selbst zu einer jener apostolisch tätigen Gemeinschaften, die im 19. Jh. aus der Not ihrer Zeit heraus gegründet wurden und heute um Identität und Existenz ringen. Das ist die Realität, in die hinein die Überlegungen Certeaus gelesen werden.

Zwischen Ideal und Realität – Markierungen der Fallhöhe

Gemeinschaft – affektiv geladen: In ihrer psychologischen Untersuchung zur Situation junger Frauen in apostolisch tätigen Gemeinschaften stellt die Franziskanerin Katharina Kluitmann fest: „… das Gemeinschaftselement [spielt] im Ordensleben eine hervorragende Rolle.“ Der Anspruch, der dabei heute an dessen Qualität gestellt wird, ist höher denn je, „oft unerfüllbar hoch“. Postmoderne Menschen suchen nach tragfähigen Gemeinschaftsmustern, nach Beständigkeit, Geborgenheit und Verlässlichkeit. Die Motivation zum Leben in Gemeinschaft ist, vor allem für Frauen, neben der spirituellen Grundmotivation, wesentlicher Grund zum Ordenseintritt. Demgegenüber steht eine Realität von überalterten Konventen, alleinlebenden Schwestern und zu groß gewordenen Mutterhäusern, der Spagat zwischen Professionalisierung und Individualisierung und ein bedrohliches Generationengefälle. Kurzum, das Ideal vom Leben in Gemeinschaft entspricht i.d.R. nicht den real gelebten Gemeinschaftskontexten.

Gemeinschaft – theologisch geladen: Papst Franziskus fordert im Apostolischen Schreiben zum Jahr des geweihten Lebens von den Gemeinschaften, in Rückbesinnung auf die Ausrichtung vieler Ordensgründer/-innen an der Communio der Jerusalemer Urgemeinde, „‚Experten des gemeinschaftlichen Lebens‘ zu werden, ‚Zeugen und Baumeister im Sinne jenes göttlichen Planes für Gemeinschaft […], der die Geschichte der Menschen krönen soll.‘“ Der Ruf zum Expertendasein und zur Entwicklung einer kraftvollen Spiritualität von Gemeinschaft ist Zuspruch und schwer einzulösender Anspruch zugleich. Die Messlatte ist hoch, denn, so der Papst, was heute ausstrahle als prophetisches Zeichen der Einheit in Christus, sei jene „‚Mystik‘ […], die darin liegt, zusammen zu leben.“

Mit Michel de Certeau verliert die mögliche Fallhöhe zwischen Realität und Ideal im Moment der Differenz an Tragik. Ausgehend von seinen historischen Analysen zu Mystikern der Moderne entwickelt er in seiner Rede vom gründenden Bruch (la rupture instauratrice) ein fundamentaltheologisches Denkmodell christlicher Existenz, welches Optionen öffnet, das Wesen von Gemeinschaft gerade vom Nicht-Einholen seines Ideals her zu begreifen. Certeau selbst ist nur zu verstehen, wenn man den Boden markiert, auf dem er stand. Er lebte und forschte „nach dem Traditionsbruch“ , das war die Ausgangsbedingung seiner Beschäftigung mit mystischer Erfahrung und der Lebenswelt seiner Zeit. So stellte er auf der Grundlage einer „Erschütterung durch eine Abwesenheit“ die Frage, wie das Christentum überhaupt zu denken sei. 30 Jahre nach seinem Tod ist sein Thema, auch hinsichtlich der Überlebensfrage von Gemeinschaft, aktueller denn je.

„Nicht ohne“ – der gemeinsame Stil der Nachfolge

Certeaus Frage führte ihn zum Grund des Christlichen, zu Jesus Christus, der als entzogener Ursprung den Anfang aller Nachfolge markiert. Der als abwesend erfahrene Jesus werde zum anwesenden Christus, wo seine Ferne eine neue Dynamik der Beziehung und der Praxis unter seinen Jüngern bewirke. Biblisch gesehen steht das Begegnungsgeschehen am „Nicht-Ort“ (GSch 241) des leeren Grabes (Joh 20,1–18) für den Aufbruch in die nachösterliche Christusgemeinschaft. [...]


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