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Leseprobe 3
Harald Künemund
Alternde Gesellschaft und Generationengerechtigkeit
Generationengerechtigkeit – dieses Modewort klingt derart positiv, dass sich jeder Versuch der Gegenrede beinahe von selbst verbietet. Sollte da etwa jemand etwa der Ungerechtigkeit das Wort reden wollen? Andererseits – Argumente müssen diskutiert und überprüft werden, will man nicht Ideologien aufsitzen. Und in der Tat führt offenbar nicht jede Maßnahme, die heute mit dem Verweis auf Generationengerechtigkeit empfohlen wird, tatsächlich zu mehr Generationengerechtigkeit, sondern manchmal im Gegenteil zu neuer Ungerechtigkeit, so dass ein genauerer Blick auf diese Positionen angeraten scheint. Zunächst einmal kann man vermuten, dass das Verhältnis zwischen den Generationen – von Ausnahmen abgesehen – schon immer problematisch und konfliktreich war. Angeblich hat schon Sokrates vor mehr als 2.000 Jahren über die Jugend geklagt, diese habe keinen Respekt vor älteren Menschen, schlechte Manieren und verachte die Autorität. Dass nun in den letzten Jahrzehnten immer häufiger von Ungerechtigkeiten, ja sogar von Kriegszuständen zwischen den Generationen die Rede ist, überrascht daher etwas. Aber während sich die Auseinandersetzungen z. B. gegen Ende der 60er Jahre als Problem der blockierten Modernisierung oder der zunehmenden Geschwindigkeit des gesellschaftlichen Wandels – dem Entstehen einer Jugend, der die Älteren kein Vorbild mehr sein können, weil ihre Orientierungen gewissermaßen veraltet sind – interpretieren ließen, geht es bei der heutigen Diskussion eher um einen Verteilungskonflikt zwischen Geburtsjahrgängen unterschiedlicher Größe. Zumindest vorgeblich. Eine knappe Skizze mag dies verdeutlichen.

Die gierige Generation: Verschwörungstheorien

Im Gefolge der Rentenreform von 1957 hat sich der Lebensstandard der Älteren schrittweise gehoben; Benachteiligungen aufgrund des Alters wurden abgebaut, die Altersarmut wurde zurückgedrängt. Seit Ende der 80er Jahre ist die Position der Älteren in der Öffentlichkeit jedoch deutlich schlechter geworden. Jörg Tremmel z. B. – Mitbegründer der „Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen“ – sieht eine Altenlobby am Werk, die die Zukunftschancen der Jüngeren ruiniert, malt das Schreckensbild einer „Diktatur der Senioren und Senilen“ an die Wand und fordert deshalb die Abschaffung der Seniorenbeiräte und eine generelle Senkung der Renten. Und er steht da ganz und gar nicht allein. Den Hintergrund für diese Diskurse bildet eine Debatte über „intergenerationelle Gerechtigkeit“, die zunächst vor allem in den USA geführt worden ist. Dort wurde behauptet, die Älteren hätten sich auf Kosten der nachfolgenden Generationen unrechtmäßig bereichert und würden heute vom Wohlfahrtsstaat unverhältnismäßig begünstigt: Der Wohlstand der heutigen Rentner und Pensionäre gehe zu Lasten enormer ökonomischer Folgekosten (Arbeitslosigkeit durch zu hohe Lohnnebenkosten, Kinderarmut, Staatsverschuldung) und ökologischer Schäden (hemmungslose Ausbeutung der Ressourcen, Umweltzerstörung), die vor allem die jüngeren Generationen treffen. Die Älteren würden sich derweil geruhsam in eine sozial abgefederte Konsumentenrolle zurückziehen und „in schmucken Ferienhäusern am Mittelmeer“ überwintern. Die „Wohlfahrtsbilanz über den gesamten Lebenslauf“ sei somit ungerecht zwischen den Generationen verteilt. Manchmal wird dahinter im Sinne einer Verschwörungstheorie ein organisierter kollektiver Egoismus der heutigen Älteren vermutet – schließlich sei es genau diese Generation, die den Ausbau des Sozialstaats durchgesetzt und sich kürzlich mit der Pflegeversicherung auch noch eine „Erbschafts-Erhaltungsversicherung“ bewilligt habe, ohne dafür je eingezahlt zu haben: Eine „gierige Generation“ 7 verbaue nachfolgenden Generationen ihre Zukunft.

Das Argumentationsmodell ist relativ erfolgreich – zumindest hört man derlei Töne immer häufiger. Dabei gehen allerdings die Begriffe und Befunde oft gewaltig durcheinander, und bei genauerer Betrachtung sind abgewogenere und z. T. auch gänzlich andere Schlussfolgerungen näher liegend. Ich möchte an dieser Stelle die Begriffe Alter und Generation etwas genauer in den Blick nehmen, um eine vorsichtigere Einschätzung zu den Generationenbeziehungen geben zu können.

Alter: Zeiteinheit oder gesellschaftliches Konstrukt?

Beide Begriffe sind mehrdeutig und unscharf. Im Alltag bereitet dies keine größeren Probleme, die Begriffe scheinen im Gegenteil sogar gänzlich unproblematisch. Das Alter z. B. ist in modernen Gesellschaften eine allgegenwärtige Größe. Neben rechtlichen Regelungen – etwa zum Beginn der Schulpflicht, der Volljährigkeit, der Berechtigung zum Führen von Fahrzeugen oder dem Bezug von Altersrenten – existieren zahlreiche Normen und Regeln, wie man sich altersgemäß zu verhalten habe. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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