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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/wua.2026.2.55-60
Isabel Maria Kraus
Mut zur Angst
Paulus zwischen existenzieller Erfahrung und Glaubenshoffnung
Angst gehört zum Leben des Paulus. Sie ist „seine ständige Begleiterin“1, stellt aber auch eine Erfahrung dar, die die Lebenswirklichkeit aller Menschen grundlegend prägt. Eine solche existenzielle Erfahrung auszublenden oder durch die Vertröstung auf eine zukünftige Heilserfahrung zu relativieren, hieße, eine wesentliche Facette des Menschseins zu verneinen. 

Paulus bringt seine Angst entsprechend offen zur Sprache. Er verschweigt sie nicht, sondern erkennt in ihr einen Ort, an dem Trost und Kraft Gottes greifbar werden. Gerade in den Tiefen menschlichen Daseins erfährt er Gottes Kraft – eine Kraft, die ihm Hoffnung und Mut verleiht. Paulus’ Umgang mit Angst – sein Mut zur Angst – eröffnet damit eine theologische Perspektive, in der menschliche Bedrängnis nicht verleugnet, sondern durch das Vertrauen in Gottes Gegenwart transformiert wird.

Implizite Zugänge

Ein unmittelbarer Zugang zur Gefühlswelt des Paulus ist nicht gegeben. Angst, Bedrängnis und Mut begegnen uns vielmehr nur mittelbar in seinen Briefen als sprachlich und theologisch gedeutete Erfahrungen. Der vorliegende Beitrag bewegt sich daher auf der Ebene impliziter Emotionen, ohne Aussagen darüber zu treffen, wie Emotionen in der Antike „funktionierten“ oder erlebt wurden. Emotionen sind kulturell codiert und ihre Bewertung dem historischen Wandel unterworfen. 

Unter diesen Vorzeichen lässt sich in den paulinischen Briefen eine Spannung zwischen menschlicher Angst und göttlicher Kraft erkennen, die Paulus selbst wie auch seine Christgläubigen erfahren. In ihr zeigt sich, wie aus der Erfahrung von Angst im Vertrauen auf Gott Hoffnung und Mut erwachsen können.

Angst bei Paulus

Angst, Schwäche und Bedrängnis sind Teil der paulinischen Lebensrealität. Paulus versteht sie jedoch nicht lediglich als emotionale Zustände, sondern als Orte, an denen Gottes Handeln erfahrbar wird. So überrascht es nicht, dass er im zweiten Korintherbrief trotz erlittener Bedrängnis in einen Lobpreis Gottes einstimmt, der an die Dankpsalmen der Schriften Israels erinnern lässt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.“ (2 Kor 1,3 f.) 

Paulus bringt sein Vertrauen in das Wirken Gottes zum Ausdruck. Angst und Bedrängnis werden dabei nicht ausgeblendet, sondern eröffnen Raum für göttlichen Trost. Damit erkennt Paulus sich im Leiden selbst als von Gott getröstet und dadurch befähigt, diesen Trost weiterzugeben. Er ist sich sicher: „Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteilgeworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil“ (2 Kor 1,5). Verbunden mit dem Trost ist nicht eine „gegenwärtige Befreiung vom Leid, sondern eine Ermutigung im Leid.“

Für Paulus gibt es keinen Grund, das erfahrene Leid zu verschweigen oder zu relativieren: „Denn wir wollen euch über die Not nicht in Unkenntnis lassen, Brüder und Schwestern, die in der Provinz Asien über uns kam und uns über alles Maß bedrückte; unsere Kraft war so sehr erschöpft, dass wir am Leben verzweifelten. Aber was uns betrifft, hatten wir schon das Todesurteil gesprochen, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt. Er hat uns aus dieser großen Todesnot errettet und wird uns retten; auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird.“ (2 Kor 1,8–10) Bedrängnis gehört für Paulus zu seiner apostolischen Existenz; sie stellt eine konkrete, unausweichliche Realität dar. Freimütig berichtet er über die Bedrängnis, die ihm und seinen Gefährten in der Provinz Asien widerfahren ist und die ihre menschlichen Kräfte in einem solchen Maße überstieg, dass sie in Todesangst gerieten (2 Kor 1,8 f.). Rettung aus dieser Angst bringt nicht menschliches Handeln, sondern einzig Gott. Das Vertrauen auf ihn bewahrt nicht vor Leid und Bedrängnis, lässt aber Gottes Trost- und Hoffnung bringendes Handeln wirksam werden. 

Mehr noch: Die Erfahrung eigener Schwachheit scheint die Wirksamkeit und Erfahrbarkeit des göttlichen Handelns in verdichteter Weise sichtbar zu machen. Paulus stellt der Unzulänglichkeit und Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz ein Übermaß der Kraft Gottes gegenüber, die nicht einfach den Ist-Zustand erträglicher macht, sondern in vermeintlicher Ausweglosigkeit dem scheinbar Unmöglichen Bahn zu brechen scheint: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“ (2 Kor 4,7–9)  [...]


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