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| Leseprobe 1 |
DOI: 10.14623/wua.2026.1.12-17 |
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| Christoph Gempp |
| Landbau in den Tropen in Zeiten der Erderhitzung |
| Die Bäuer:innenschule in Santa Maria Cahabon, Guatemala |
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In der Mitte der 20er-Jahre dieses 21. Jahrhunderts erleben wir einen politischen Paradigmenwechsel. Das erste Jahrzehnt war durch eine nicht sehr ausgeprägte, aber doch zunehmende Hegemonie einer linksgrünen Politik geprägt. Zentral waren Themenbereiche wie Klima und Energie, Migration und Integration und das Recht auf Verschiedenheit in jeglicher, besonders auch sexueller Hinsicht. Rassismus und Ausgrenzung wurden aus der Perspektive eines postkolonialen Paradigmas gründlich hinterfragt.
Kontext: Wachsende Bedrohung
Im Jahr 2023 begann diese Hegemonie zunehmend zu rutschen und hat sich nach der Amtsübernahme von Trump in den USA zu einem regelrechten Erdrutsch verwandelt. Ein enormer Wettbewerbsdruck aus Asien macht der westlichen Wirtschaft zu schaffen. Die Differenz der Produktionskosten ist groß. Immer mehr Unternehmen können nicht mehr mithalten. Verlust von Arbeitsplätzen, erhöhte Lebenshaltungskosten und weniger Einkommen führen zu Unsicherheit. Dies treibt das Wasser auf die Mühlen rechtsradikaler Parteien, die eine „nationalsozialistische“ Politik und Wirtschaft vorantreiben: Abschottung, Zölle, Unterbindung von Migration und Identifikation von Sündenböcken.
Erste Klimakonferenzen weckten Optimismus, dass wirklich gemeinsam etwas getan werden kann. Die letzte Klimakonferenz in Baku (COP29) im Jahr 2024 legte erneut einen ihrer Akzente auf eine Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne dreimal mehr genutzt werden. Leider konnten sich die Länder nicht einigen, wie sie diese Ziele erreichen sollen.
Unerwartet, schockierend, beängstigend: Klimaleugner ‒ nach der Jahrtausendwende belächelt und marginal ‒ nehmen heute vor allem in der nordwestlichen Hemisphäre überhand. „Drill, baby, drill!“ („Bohr, Baby, bohr!“), rief Trump unter Applaus der Ehrengäste in seiner Rede zur Amtsübernahme 2025. Die Förderung von Gas und Öl soll wieder angekurbelt werden. Trump ist ein Klimaleugner. In den Augen des US-Präsidenten ist die menschengemachte Erderwärmung ein großer Scherz, erdacht mit dem Ziel, die fossile Wirtschaft in den USA zu lähmen. Verschwörungstheorien setzen ein Feindbild voraus: Jemand oder eine Gruppe von Menschen will einer Nation Schaden zufügen. Dazu muss ein Sündenbock her. Meistens geht es dabei um wirtschaftliche Ängste. Verschwörungstheorien entstehen am ehesten, wenn die Wirtschaft stagniert: Inflation, Verlust der Kaufkraft des Konsumenten und von Arbeitsplätzen. Die Kombination dieser Faktoren öffnet die Tore für den demagogischen Diskurs, der nicht um die Korrektheit der Aussagen bemüht ist, sondern darum, wie er ankommt und möglichst viele Menschen in Situationen von Ängsten abholt.
Jahrzehntelang war der Ausdruck Faschismus nicht mehr salonfähig. Heute werden rechtsradikale Parteien und Gruppierungen zunehmend so betitelt, wenn auch noch umstritten. Schauen wir uns die Definition des Historikers Robert Paxton an: Faschismus ist „eine Form des politischen Verhaltens“, das durch eine „obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Stärke und Reinheit“ bestimmt sei.
Im Osten und im Westen und auch in der Mitte in Europa können wir dieses „politische Verhalten“ unschwer feststellen. Die Förderung nachhaltiger Energien wird von rechten Parteien, die die Interessen nationaler Wirtschaften durch Abschottung und Zölle sichern wollen, für die hohen Energiepreise verantwortlich gemacht. Im Jahr 2021 waren allerdings Hauptpreistreiber Gas- und Braunkohlekraftwerke. Heute weht ein schärferer Wind: die verordneten Wärmepumpen, Fotovoltaik-Systeme und Elektroautos werden als Luxusspielzeuge den Besserverdienenden zugeordnet, während einkommensschwache Haushalte nicht mithalten können. Verlangt wird die Bürger nicht unter Zwang zu drangsalieren, sondern auf Technologieoffenheit und Marktwirtschaft zu setzen.
Weltweit verzeichneten wir im Jahr 2022 Schäden durch Naturkatastrophen in Höhe von 270 Milliarden US-Dollar. Wir hier vor Ort im tropischen Santa Maria Cahabon beobachten, dass sich Trockenperioden verlängern, die Hitze zu und der Regen abnimmt. Laut der International Energy Agency bräuchte es allein bis 2030 jährlich 1,6 Billionen USDollar an reinen Investitionen in erneuerbare Energien, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Momentan liegen die Investitionen bei einem Drittel dessen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Vermeiden immer noch billiger ist als den Schaden bezahlen. In Dollar ausgedrückt werden die Schäden bis 2050 auf 32 Billionen US-Dollar pro Jahr berechnet. Die jährlichen globalen Klimaschäden zur Mitte dieses Jahrhunderts sind fünfmal so groß wie die Vermeidungskosten zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad.
Ein anderes Phänomen der oben angeführten politischen Entwicklung ist die Kürzung der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit. In den USA wurde USAID im Januar 2025 mit einem Federstrich eliminiert. Deutschland war weltweit eines der großzügigsten Länder. Jetzt sind die Kürzungen der humanitären Hilfe drastisch. Der Etat ist allein in Deutschland seit 2022 um 60 Prozent auf nur eine Milliarde Euro für 2026 geschrumpft. Davon sind die kirchlichen Hilfswerke besonders betroffen. [...]
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