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Stichwort DOI: 10.14623/wua.2026.2.50-54
Christoph J. Bergmann
Mut als Tugend
Eine Begriffserkundung zwischen Angst, Klugheit und Zuversicht
In gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Diskursen wird der Begriff des Mutes zunehmend als normative Kategorie verwendet. So betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache am 25.12.2025, es bedürfe des Mutes, „immer wieder neu anzufangen. Für die großen Dinge, die wir uns als Gesellschaft vornehmen – und für die kleinen Dinge, bei denen jede und jeder von uns sein Bestes gibt – für ein gutes Zusammenleben von uns allen.“ Mut erscheint hier nicht als heroische Ausnahmeleistung individuellen Handelns, sondern als gesellschaftlich relevante Kraft, die gemeinwohlorientierte Handlungsfähigkeit angesichts von Widrigkeiten ermöglicht.

Mut: Eine gesellschaftlich relevante Kategorie

Diese Zuschreibung verweist auf ein Mutverständnis, das über bloße Furchtlosigkeit hinausgeht und eine ethische Implikation besitzt. In der theologisch-philosophischen Tradition wird Mut daher nicht als isolierte Eigenschaft verstanden, sondern als relationale Tugend, die in Korrelation mit anderen Haltungen steht. Begrifflichkeiten wie Angst, Leichtsinn, Hochmut, Freimut, aber auch Übermut oder Sanftmut markieren Grenz- und Korrektivpunkte, an denen sich entscheidet, ob Mut seine tugendhafte Mitte wahrt oder verfehlt. Auch semantische Ableitungen wie Zumutung oder Mutmaßung deuten an, dass Mut stets mit Risiko, Abwägung und Entscheidung verbunden ist. 

Der folgende Beitrag geht der Frage nach, wie Mut als Tugend zwischen Angst, Klugheit und moralischer Zielgerichtetheit zu bestimmen ist. Dabei wird Mut zunächst in seiner formalen Struktur analysiert, bevor seine normative Qualität und seine moralische Ambivalenz in den Blick genommen werden.

Mut und Angst: anthropologische Grundstruktur

Mut setzt die Erfahrung von Angst voraus. Angst ist hierbei eine Grundbefindlichkeit menschlichen, d. h. kontingenten Lebens. Sie stellt keinen moralischen Defekt dar, sondern bildet vielmehr den existenziellen Horizont, innerhalb dessen sich verantwortliches Handeln, insbesondere mutiges Handeln, erst bewähren kann. Wo keine Bedrohung und kein als relevant wahrgenommenes Risiko bestehen, kann sinnvollerweise nicht von Mut gesprochen werden. Angst ist daher nicht das Gegenteil, sondern eine notwendige Bedingung des Mutes. Entscheidend ist, wie der Mensch sich zu dieser Angst verhält. Der biblische Kanon gibt hiervon in vielfältiger Weise Zeugnis, indem er zugleich zur Standhaftigkeit in Glaubensund Gewissenstreue mahnt und dazu ermutigt, sich angesichts der Furcht der tröstenden Gegenwart Gottes anzuvertrauen. Mut ist hierbei keine generalisierte Persönlichkeitseigenschaft, die sich bereichsübergreifend in gleicher Weise manifestiert. Vielmehr zeigt sich mutiges Verhalten kontextabhängig: Wer etwa bereit ist, erhebliche finanzielle Risiken einzugehen, ist nicht notwendigerweise mutig in körperlich gefährlichen Situationen wie dem Skydiving. Ebenso impliziert die Rettung eines Menschen aus lebensbedrohlicher Lage nicht zwangsläufig eine erhöhte Bereitschaft, spekulative Risiken an den Finanz- und Börsenmärkten einzugehen.

Der Psychologe und Wagnisforscher Warwitz versteht Mut als eine einzuübende Geisteshaltung und Charakterdisposition, die für personale Entwicklung und Lebensfähigkeit konstitutiv ist. Die Mutforscherin Pury hebt hervor, dass Mut nur unter Berücksichtigung der individuellen Geschichte und Motivation einer Person angemessen beurteilt werden kann. Mut bleibt somit eine Haltung, die zwischen innerer Wahrnehmung, situativer Einschätzung und Entscheidung vermittelt. Diese anthropologische Grundstruktur verlangt nach einer ordnenden Instanz, um Angst weder lähmen noch in unreflektierte Kühnheit umschlagen zu lassen. 

Aristoteles: Mut als vernünftig geordnete Haltung

Bereits in der Antike galt Mut – oft als Synonym zur Tapferkeit – als zentrale Tugend, die eng mit männlichen Rollen- und Heldenvorstellungen verbunden war. Eine systematische Bestimmung des Mutes findet sich erstmals bei Aristoteles. In seiner Nikomachischen Ethik beschreibt er Mut (ἀνδρεία) als Tugend der Mitte zwischen zwei Extremen: dem Übermaß an Furcht, der Feigheit (δειλία), und dem Übermaß an Zuversicht, der Tollkühnheit (θρασύτης). Mutig ist demnach nicht, wer keine Angst empfindet, sondern wer Angst und Risiko vernünftig beurteilt und ausgewogen handelt: „Die einen haben Zuviel und Zuwenig, der andere (d.i. der Mut) hält sich in der Mitte und handelt, wie es sich gehört.“  [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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