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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/wua.2018.4.163-168
Daniel Krochmalnik
Der Gottesknecht
Im Namen Jesajas bringt einer seiner Schüler (Limmudim, 8,16. 50,4) den Juden im babylonischen Exil die frohe Botschaft (Jes 40–54): „Tröstet, tröstet mein Volk!“ (Nachamu Nachamu, 40,1). Er ruft den Herrn des Exodus: „Erwache, erwache (Uri Uri, 51,9) und bekommt die Antwort: „Ich selber, ich selber bins, der euch tröstet“ (Anochi, Anochi Hu Menachemchem, 51,12); er rüttelt das deprimierte Volk auf: „Erwache, erwache!“ (Hitoreri, Hitoreri) „Auf, auf!“ (Uri Uri, 52,1.17), es gebe wieder Grund zur Freude: „Jauchzet, jubelt!“ (Pizchu Ranenu, 52,7), der neue Exodus stehe unmittelbar bevor: „Entweichet, entweichet!“ (Suru Suru, 52,11); er eröffnet glänzende Zukunftsaussichten „Jubele, Unfruchtbare, brich in Jubel aus und jauchze“ (Pizchi Rani WeZahali, 54,1). Und mitten in diesen aufpeitschenden Aufrufen: Nachamu Nachamu! Uri Uri! Anochi, Anochi! Hitoreri, Hitoreri! Pizchu Ranenu! Suru Suru! Pizchi Rani! – erklingt das in der Bibelwissenschaft sogenannte 4. Gottesknecht-Lied (52,13–53,12).

Das sogenannte 4. Gottesknecht-Lied

Das Lied erzählt von einem Knecht, dem Ähnliches widerfährt wie dem geknechteten Volk: Aus tiefster Erniedrigung gelingt ihm der Aufstieg zu höchstem Erfolg (Hine Jaskil Awdi). Es handelt allerdings von einem Einzelschicksal: „Er ist verachtet und verlassen von Menschen, ein Mann der Schmerzen, gewohnt an Krankheit, wie einer, der von uns das Gesicht verhüllt.“ (53,3). Es ist das Schicksal der Aussätzigen, so wie es die „Aussatztora“ vorsieht (Torat Mezora, Lev 13,45), dieser gilt laut Opfertarif (Ascham Mezora, Chatat nach Lev 14,12) als Schuldiger und Sünder. Im 4. Gottesknecht-Lied ist allerdings der Knecht das Opferlamm (53,7). Bis die Leute merken, dass nicht er, sondern sie die Krankheitsursache sind: „Fürwahr unsere Krankheit hat er getragen, und unsere Schmerzen erlitten, wir aber hielten ihn für einen (…) von Gott Geschlagenen und Gedemütigten.“ (53,4f.). Diese Erkenntnis kommt reichlich spät, das Menschenopfer war schon auf dem Richtplatz oder auf dem Schinderanger, „wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“ (53,7). Dennoch hat das Lied ein Happy End (52,13)!

Was hat dieses Lied zu bedeuten und was hat es hier zu suchen? Ist es eine Allegorie auf die Wiederauferstehung Israels? Eine Märtyrergeschichte und Heiligenlegende? Ein Protoevangelium? Ehe diese Frage entschieden wird, muss daran erinnert werden, wie schwierig der Text ist. Die alten Versionen weichen z. T. so stark voneinander ab, dass man gar nicht mehr von ein und demselben Lied sprechen kann. Nicht nur die Höhlenfund 1QIsa und 1QIsb, auch die Versionen LXX und MT. Der Apparat der Septuaginta Deutsch zu dieser Stelle ist einer der längsten und die Übersetzung ergibt stellenweise einen völlig anderen Sinn. Martin Hengel, der Original und Übersetzung verglichen hat, mag nicht entscheiden, „ob der Übersetzer eine abweichende hebräische Textvorlage besaß oder sich selbst Freiheiten erlaubte“, um die passio iusti des pais theou (Sap 2,13) im Sinne einer Gerichtsansage umzuschreiben. Die spätere Diskussionen ergeben sich aus den abweichenden frühen Versionen.

Wer oder was ist der Gottesknecht?


Die uralte exegetische Preisfrage lautet: Wer ist der anonyme Knecht? Da Gott der Herr ist, kann im Prinzip jeder sein Knecht sein. In der Bibel werden tatsächlich alle möglichen Personen und Gruppen so genannt: die Väter – Abraham (Gen 26,24), Isaak (Gen 24,14) und Jakob (Ex 32,13); die Führer – Moses (Ex 14,31; Num 12,7; Deut 34,5, Mal 3,22 u. ö) und Josua (Jos 24,29); die Propheten (Am 3,7; Jer 7,25 u. ö.) – Elija (1 Kön 18,36), Owadja ist sozusagen per definitionem Gottesknecht; die Priester (Ps 134) und Könige – David (2 Sam 7,8; 1Kön 8,24f.; Ps 18,1; 36,1; 78,70), Davididen (Sach 3,8; Jer 23,5), wie Serubabel (Hag 2,23), ja, sogar heidnische Könige wie Nebukadnezar (Jer 7,26; 27,6; 43,10) und Kyros (Jes 42,1). Gottesknecht ist ein Allerweltstitel, jedermann kann so angesprochen werden, wenn er bestimmte Bedingungen erfüllt (Mal 3,18, Sap 2,13). Öfter treten die Gottesknechte in der Mehrzahl auf (Awde H’, Jes 54,17, Ps 34,23; 135,1), etwa die Gruppen der Treuen, der Gerechten, der Erwählten (Jes 56,6; 63,17; 65,8–9.13–15; 66,14), ja, das ganze Gottesvolk (Ps 136,22; Jes 41,8; 42,19; 44,21; 65,13). Ferner liegt das Herr-Knecht-Schema zahllosen Stellen zugrunde, wo das Wort selber gar nicht fällt, etwa wenn die gehorsamen Diener gepriesen werden (Ps 103,20f.) und das ungehorsame Volk getadelt wird (Deut 9,24). In manchen Fällen lässt sich nicht entscheiden, ob der Knecht Person oder Nation ist. Insbesondere die vier sogenannten Gottesknecht-Lieder des Jesajaners (1. Jes 42,1–9; 2.49,1–6; 3.50,4–9; 4.52,13–53,12) schillern in dieser Hinsicht. An einigen Stellen steht unmissverständlich, dass der Knecht eine kollektive Größe ist, etwa wenn es heißt: „Mein Knecht bist Du, Israel“ (Awdi-Atta Jisrael, 49,2, siehe auch 44,1 u. 41,8). Gelegentlich verstehen die alten Versionen auch solche Stellen kollektiv, die in unserem Text individuell verstanden werden können. [...]


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