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Leseprobe 3
Christian Bauer
Pastoraltheologie mit Thomas von Aquin?
Inspirationen von Paulus Engelhardt und M.-Dominique Chenu

Thomas fasziniert mich schon lange. Auch wenn er in meinem Studium kaum vorkam und ich ihn mir erst über meine Dissertation mühsam aneignen musste. So geht es heute vielen jungen Theologinnen und Theologen. Sie haben nicht wie Paulus Engelhardt, der langjährige Schriftleiter der Deutschen Thomas-Ausgabe, dem dieser Beitrag in Freundschaft gewidmet ist, noch die vorkonziliare Schultheologie studiert. Menschen wie er kennen noch ganz selbstverständlich Kontinente, die uns Nachgeborenen längst terra incognita sind. Der ehemalige Dominikaner Hans Conrad Zander bringt es auf den Punkt: „Es gibt so etwas wie katholische Dummheit. So dumm wie der ganze Klerus vorher nichts gebüffelt hat als Thomas von Aquin, genau so dumm wollte er jetzt von Thomas von Aquin nicht das Geringste mehr wissen.“ Mit Blick auf die nachkonziliare Theologie hatte bereits M.-Dominique Chenu (1895–1990), der große alte Mann der historischen Thomasforschung, festgestellt: „Vielleicht sind wir (…) zu weit gegangen. Die jungen Studenten (…) lesen keinen Thomas mehr! Wir müssen wieder mehr Thomas lehren – und zwar als einen Zeugen des Evangeliums (…)!“ Fergus Kerr urteilt skeptisch: „Die meisten katholischen Theologen finden es (…) weder anziehend noch zumindest notwendig, den Aquinaten in Chenus oder sonst irgendjemandes Weise zu studieren.“ Eine letzte Stimme. Karl Rahner bemerkt: „Ich glaube nicht, dass so bald (…) eine spektakuläre Thomas-Renaissance anbrechen wird. Aber ich hoffe doch, dass es immer wieder (…) selbständig Denkende in der Theologie geben wird, (…) die den Mut haben, (…) nicht für langweilig zu halten, was nur langsam und mühevoll erworben werden kann.“

Ich kann von mir nicht behaupten, ein wirklicher Thomas-Spezialist zu sein. Aber ich bin interessiert im Sinne der Aussage Rahners. Denn ich halte Thomas für alles andere als für langweilig oder gar von gestern. Und zwar gerade als Pastoraltheologe. Thomas von Aquin, der vermeintlich spekulativste Theologe überhaupt, und die Pastoraltheologie, das vermeintlich am wenigsten spekulative Fach der Theologie – diese beiden passen ganz hervorragend zusammen! Und zwar nicht nur, weil beide die Autonomie der säkularen Vernunft hochschätzen: der eine als Pate jener Neuzeit, deren Legitimität er theologisch mitbegründet hat, und die andere als ein Kind der Aufklärung, die seit jeher mit deren humanwissenschaftlichen Werkzeugen arbeitet. Mich als heutigen Pastoraltheologen interessieren im Folgenden an Thomas vor allem drei Dinge: pastorale Zeitgenossenschaft – theologischer Gottesprimat – mystische Sprachformen. Unsere Begleiter entlang dieser Stichworte werden zwei bereits genannte Dominikaner sein: Paulus Engelhardt und M.-Dominique Chenu. Hier und da wird sich auch mit dem Jesuiten Karl Rahner noch ein dritter Ordenstheologe dazugesellen.

Paulus und Chenu

Paulus ist ein Original. Das überquellende Arbeitszimmer mit der alten mechanischen Schreibmaschine. Kein Blatt Papier wird weggeworfen: Man kann ja immer noch die Rückseiten beschreiben. Und die Bücher! Überall Bücher. Paulus bewohnt sie, wie andere Menschen Häuser bewohnen. Eine erste Gemeinsamkeit mit Chenu, dessen Zimmer ganz ähnlich aussah. „La montagne Chenu“ spöttelten die Mitbrüder: das Chenu-Gebirge. Mehr noch. Paulus ist ein theologischer Zeuge des 20. Jahrhunderts, seiner politischen Katastrophen und Brüche, seiner messianischen Sehnsüchte und Hoffnungen – auch darin ist er Chenu nicht unähnlich. Beide Predigerbrüder, die zu den letzten ‚Allroundern’ dominikanischer Theologie zählen, verbinden dabei eine wache pastorale Zeitgenossenschaft mit der Frage nach Gott selbst. Hoffnung bei Thomas und Hoffnung bei den Marxisten der eigenen Zeit: das ist für sie kein Gegensatz, sondern eine kreative Differenz. Eine theologische Erkenntnis, die nicht nur meine eigene Arbeit als Pastoraltheologe prägt, sondern mir auch zu einer Quelle lebendiger dominikanischer Spiritualität wurde. Ich bewundere bei Paulus wie auch bei Chenu ihre vielfältigen Engagements bei gleichzeitiger, nicht minder engagierter Wissenschaftlichkeit. Beide sind in zwei Welten zu Hause, deren Differenz auch das Geschäft der Pastoraltheologie so ungemein spannend macht: Mit pastoraler Neugier („curiositas“7) auf dem Praxisfeld ihrer Gegenwart und zugleich mit theologischer Gelehrsamkeit („studiositas“8) im Diskursarchiv der Vergangenheit. [...]


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